Bunte Gedankenschnipsel

Rede ich zuviel und sie zuwenig? Von Dingen, die gesagt werden müssen, von Wortminimalisten und Vertrauen.

11. Oktober 2019

Manchmal bin ich am verzweifeln. Ich habe Wortminimalisten zu Hause. Wortminimalisten denkt ihr jetzt bestimmt, was soll das sein? Ich finde, dass beschreibt meine Kinder sehr gut, die trotz eines gigantischen Wortschatzes unsere Kommunikation zu Hause sehr minimalistisch gestalten.
Da ist dann alles „gut“, in der Schule haben wir „gelernt“, im Kindergarten „gespielt“ und mit wem oder was „weiß ich nicht mehr“.
Manchmal kann ich mit diesem Minimalismus sehr gut leben. Da ist es dann o.k. für mich, dass die Kinder nicht alles erzählen wollen, es vielleicht nicht so wichtig war, der Kopf voll und der Bauch leer ist und erstmal Futter und Nahrung braucht.

Manchmal aber könnte ich ausflippen, manchmal wünschte ich aus dem Schul- und Kindergartenvormittag würde eine spannende Erlebniserzählung werden. Manchmal würde ich von Gezank, Organisatorischem und Lerninfos gerne von dem Buben selbst hören und nicht vom Dorffunk informiert werden. Manchmal würde ich mir beim Abendessen einfach eine rege, lustige Unterhaltung zu viert wünschen, ohne dass ich den beiden kleinen Herrschaften jedes Detail aus der Nase ziehen muss.

Oft schwirren dann bei mir diverese Fragen durch den Kopf: „Geht es Ihnen wirlklich gut?“, „Warum wollen sie denn nichts erzählen?“, „Ist irgendetwas passiert?“, „Andere Kinder erzählen doch auch so viel, warum meine nicht?“, um nur einige zu nennen.

Ich ertappe mich dann sehr oft dabei, den beiden wieder und wieder zu erklären, was Kommunikation heißt. Versuche zu erklären, dass reden und Gespräche so wichtig sind, es vielleicht viele Missverständnisse nicht geben würde oder man sie zumindest so viel leichter aus dem Weg räumen kann. Ich erkläre zum hundertsten Mal, dass es nichts bringt die kleine Schwester/den großen Bruder anzuschreiben. Reden hilft. Kompromisse finden, normaler Ton. Wenn ich diesen Text hier so schreibe, kann ich mir irgendwie vorstellen, wie meine Reden bei meinen Kindern ankommen. So als „bla, bla, wie wars in der Schule, bla, bla, warum erzählst du nix, bla, bla …,bla, bla, bla, was habt ihr heute Spannendes gemacht, bla, bla, bla erzählt doch endlich mal, was war gut, was war schlecht, bla, bla, bla…“ während die beiden Hunger und Durst haben, spielen wollen, aufs Klo müssen, müde, wütend, ängstlich sind.

Rede ich in diesen Situationen zuviel? Verlange ich mit zu vielen, komplizierten Wörtern zu viel Gespräch? Vielleicht drücke ich mich zu lange, zu schwammig, zu umständlich, zu missverständlich aus? Vielleicht ist es auch meine innere Erwartungshaltung ein „vernünftiges“ Gespräch zu führen. Immer alles begründen und begreifen zu müssen, hinter jedem diffusen Gefühl der beiden einen Grund benennen zu wollen, den es vielleicht nicht gibt, den sie selbst nicht greifen und ausdrücken können.

Es gibt Dinge die gesagt werden müssen, klar und deutlich formuliert. Kurz und prägnant. Und nicht ausgeschmückt mit dem Wortschatz eines Erwachsenen, immer auch so ein bisschen um den heißen Brei herumredend.

Und es gibt Dinge da bedarf es vielleicht gar keines großen Gespräches sondern nur einer Umarmung, eines lieben Blickes oder eines gemurmelten „Ich liebe dich!“

Und manchmal gibt es ihrerseits vielleicht einfach auch nichts zu erzählen. Dass der Bub rechnen, lesen, schreiben hatte, sehe ich auf dem Stundenplan, dass Klein Sport hatte im Kindergartenplan. Vielleicht ist einfach nichts Aufregendes passiert. Nichts erzählenswertes. Nichts von dem Mama unbedingt wissen muss.

Und dann muss ich mich an meiner eigenen Nase packen. Es gut sein lassen, keinen Monolog über Kommunikation halten, ihnen vertrauen. Vertrauen darauf, dass sie zu mir kommen, wenn sie nicht mehr weiterwissen und Hilfe brauchen. Vertrauen darauf, dass sie, für sich wichtige Dinge, erzählen und meinen Rat einholen. Vertrauen darauf, dass sie ihre Sache toll machen, ihren Weg gehen und so Vieles schon selbständig lösen können.

Vor ein paar Tagen kam der Große von der Schule, zornig, sauer, wütend und erzählte mir von einem Streit mit seinem Freund. Er war todunglücklich und die ganze Geschichte, die Worte sprudelten nur so aus ihm heraus.
Und obwohl diese Geschichte, dieser Streit nicht schön sind, habe ich gemerkt, wie sich ein warmes Gefühl in mir ausgebreitet hat. Wenn die beiden wirklich etwas beschäftigt, dann kommen sie und erzählen. Vielleicht sind es auch dann nur wenige Worte, aber die sagen uns ganz klar, dass sie uns, unsere Umarmung, unsere Liebe und Zuwendung, vielleicht auch einen Rat, gerade jetzt dringend brauchen.

Wortminimalist sein ist gut, Vertrauen noch viiieeel besser!

Bis bald!

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